Schweizer Kampagnen auf Facebook
von Remo Schläpfer
Bereits im vergangenen Jahr habe ich einen Beitrag zum Thema Facebook-Kampagnen geschrieben. Facebook hat sich in der Schweiz zur mittlerweile grössten Online Community entwickelt und zählt mehr als 1.1 Millionen Schweizer Mitglieder. Diese Zahlen rufen zwar Marketingleiter und PR-Berater auf den Plan. Trotzdem hat sich bisher noch nicht viel getan. Ganz anders sieht es im Lager politisch motivierter Individuen aus: Sie haben das Potenzial von Facebook in jüngster Zeit an verschiedenen Fronten genutzt und damit einiges an Aufsehen erregt. Wir haben das Geschehen natürlich laufend mitverfolgt und möchten in diesem Blogbeitrag auflisten, was in der Schweizer Facebook-Politik-Szene gelaufen ist.
1. Eidgenössische Abstimmung zur Personenfreizügigkeit (8. Februar 2009):
Neben klassischen Plakatkampagnen sind in diesem Abstimmungskampf auch die Aktivitäten der Befürworter und Gegner auf Facebook und Websites aufgefallen.
Eine breite Koalition von Jungparteien hat neben der eigens für den Abstimmungskampf eingerichteten Website auch eine Facebook-Gruppe mit dem Titel „JA zum bilateralen Weg – JA zur Personenfreizügigkeit im 2009!“ gegründet. Auf der 5’435 Mitglieder zählenden Gruppe werden Kommentare hinterlassen, Bilder hochgeladen, Videos gepostet und auf weitere Seiten verlinkt. So natürlich auch auf den individualisierbaren Video.
Natürlich sind auch die Gegner der erweiterten Personenfreizügigkeit nicht inaktiv. Neben der offiziellen Website haben auch sie eine Facebook-Gruppe eingerichtet, die mittlerweile 3’141 Mitglieder zählt. Die Gegner der erweiterten Personenfreizügigkeit habe Facebook ursprünglich zur Unterschriftensammlung für das lancierte Referendum genutzt. Wie der JSVPler Reimann sagt, hätte das Komitee ohne Facebook nicht genügend Unterschriften zusammengebracht.
Übrigens: Auch die NZZ widmet dem Thema einen Artikel und äussert sich eher kritisch.
2. Volksinitiative gegen überhöhte Billag Gebühren!
Eine weitere Volksinitiative, die sich mit grossem Erfolg der Möglichkeiten von Facebook bedient ist die ByeByeBillag.
Ziel der Initiative ist die Senkung der Empfangsgebühren für Schweizer Haushalte. Die Gruppe auf Facebook zählt momentan sage und schreibe 27′940 Mitglieder. Gleichzeitig können sich interessierte auf Twitter und der offiziellen Website über Neuigkeiten informieren. Ein interessanter Beitrag zu diesem Case ist übrigens in der NZZ zu finden. Auch der Blick hat über die Facebook-Gruppe geschrieben.
3. Initiative gegen die Einführung des Biometrischen Schweizer Passes
Auch das Überparteiliche Komitee gegen Biometrische Schweizer Pässe und Identitätskarten ist neben der Offiziellen Kampagnenseite auf Facebook aktiv. Die gegründete Gruppe „NEIN am 17.5.2009 zum Biometriezwang für Schweizer Pässe und Identitätskarten“ zählt mittlerweile 2′918 Mitglieder.
4. Fazit:
Wie diese Fallbeispiele zeigen, wird Facebook für politische Belangen aktiv genutzt – und dies mit beachtlichem Erfolg. Ein Referendum, zwei Volksinitiativen und eine Kampagnengruppe erfuhren Unterstützung durch Facebook und die parallel dazu lancierten Online-Massnahmen.
Wie 20Minuten berichtete, lässt diese Entwicklung auch unsere Landesregierung aufhorchen. Der Bundesrat hat kürzlich die Bundeskanzlei beauftragt, ein Papier zu den „politischen Rechten im Internetzeitalter“ auszuarbeiten. Vielleicht wird also bald die nötige Unterschriftenzahl erhöht!



Bin von einem Agentur-Gspänli soeben auf diesen Artikel aufmerksam gemacht: http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/YouTubePolitik-stoesst-an-ihre-Grenzen/story/28070615
10. Februar 2009 um 10:05